Sei perfekt unperfekt.

Monat: März 2020

Die Goldenen Regeln des Home Office

In Zeiten von Corona, sind viele von uns gezwungen im Home Office zu bleiben und so weiter zu arbeiten. Für viele klingt das erstmal super, allerdings solltest du dabei einige Faktoren beachten, um weiterhin geregelt deiner Zeit und Arbeit nachzugehen. Natürlich denkt man erstmal, dass man entweder zu viel oder zu wenig leistet. Gerade die unter uns, die grundsätzlich eher ehrgeizig und perfektionistisch veranlagt sind, tendieren dazu zu viel und zu lange zu arbeiten. Damit du das Home Office ohne schlechtes Gewissen optimal nutzen kannst, hier meine persönlichen Goldenen Regeln des Home Office:

Regel #1 : Halte die Arbeitszeiten ein!

Natürlich neigen Langschläfer dazu endlich länger im Bett liegen zu bleiben, den Laptop dann fünf Minuten vor Arbeitsbeginn hoch zu fahren und sich währenddessen noch kurz den ersten Kaffee durchlaufen zu lassen. Vielleicht bist du auch ein Frühaufsteher und sitzt schon lange davor am Laptop, um als Erstes online zu sein und zu beweisen, wie fleißig du schon arbeitest. Mein Tipp: starte pünktlich, aber nicht zu früh und nicht zu spät! Das gilt auch für den Feierabend. Sicher kannst du noch schnell diese eine Sache erledigen – das kannst du aber auch morgen tun. Stelle dir am Besten Wecker, um pünktlich zu beginnen und aufzuhören. Kein Arbeitgeber sollte gerade im Home Office von seinen Mitarbeitern verlangen Überstunden zu machen. Solltest du Gleitzeit haben und dir die Zeit auch im Home Office frei einteilen können, dann achte darauf wann du produktiv bist und plane deinen Tag danach.

Regel #2 : Pausen sind wichtig!

Und das bringt mich direkt zum nächsten Punkt: Achte auf Pausen! Zum einen solltest du natürlich die Mittagspause, aber auch ein paar kleinere Pausen einplanen. Klassischerweise wird sich schnell etwas zum Essen gemacht und parallel zur Arbeit gegessen. Lass das! Gönne dir deine Stunde, danach bist du produktiver und wieder konzentrationsfähiger. Es gibt kein Multi-Tasking und wenn du parallel isst, übersiehst du leichter Dinge, machst Fehler oder verkleckerst deine Arbeitsutensilien 😉

Außerdem solltest du auch mehrere kleiner Pausen einplanen (spätestens nach 2 Stunden). Die kannst du zum Lüften nutzen, für einen Kaffee, ein Powernap, um dir kurz die Beine zu vertreten,… Auch hier solltest du dir Zeiten einplanen und ggf. einen Wecker stellen.
Du denkst jetzt wozu? Diese Pausen ersetzen deinen kurzen Plausch mit dem Kollegen, du bist wieder konzentrierter und du vergisst deine natürlichen Bedürfnisse wie trinken, essen, Toilette,… nicht. Klingt lustig? Passiert aber leichter als du denkst, weil du oftmals so ungestört und vertieft arbeiten kannst, dass du komplett den Fokus und die Zeit aus den Augen verlierst.

Regel #3 : Plane deine Aufgaben!

Gut, das mit den Pausen ist geklärt. Aber plane grundsätzlich deinen Tag vom Zeitpunkt, an dem du aufstehst bis Feierabend und halte dich daran. Verplane nicht alles, sondern maximal 50% deiner Arbeitszeit – die restlichen füllen sich auch im Home Office von alleine.
Nur weil du im Home Office bist, heißt das nicht dass du rund um die Uhr auch erreichbar bist. Lege Zeiten fest, an denen du deine Mails checkst, im Firmenchat aktiv und verfügbar bist und auf Rückfragen etc. eingehen kannst. Kommuniziere deine Zeiten auch an die Kollegen, damit hier keine Vorwürfe oder Verdächtigungen entstehen. In der Zwischenzeit werden alle Störfaktoren ausgeschalten. Auch der Fernseher – höre besser leise Musik.

Regel #4 : Kommunikation bleibt das A und O!

Gerade im Home Office ist es wichtig weiterhin offen miteinander zu kommunizieren. Verabrede dich zu virtuellen Pausen, stelle Hangout Meetings zur Abstimmung ein und teile deine Ziele und Aufgaben. So hat keiner Angst der andere macht zu wenig, ist sauer, weil der Kollege nicht direkt erreichbar ist oder fühlt sich gestört, weil schon wieder das Telefon klingelt. Grundsätzlich sollte auch aus Sicht der Geschäftsleitung das Vertrauen da sein, dass die Mitarbeiter auch von zu Hause aus ihr Bestes geben und sie nicht ständig kontrolliert werden müssen. Sprecht Probleme weiterhin direkt an, gebt Feedback, setzt realistische Deadlines,…

Regel #5 : Schaffe dir einen Arbeitsplatz!

Arbeite wenn möglich nicht vom Bett oder Sofa aus, sondern schaffe dir einen Platz, an dem du möglichst ungestört und konzentriert arbeiten kannst. Das heißt, du musst versuchen eine räumliche Distanz zwischen privat und Beruf schaffen. Das kannst du machen, indem du in der Küche arbeitest, einen Raumtrenner nutzt (oder bastelst – musst du nicht eh Wäsche waschen;) ) oder vom Balkon aus arbeitest. Wichtig ist: du musst dich wohl fühlen, wechselst nach Feierabend oder in der Pause aber den Sitzplatz – nur so kannst du dann auch abschalten und schreibst nicht um 22 Uhr noch schnell die E-Mail, weil dir das gerade spontan einfällt und es natürlich waaaahnsinnig wichtig ist…

Nutze wenn möglich auch deinen Arbeitslaptop und ein Diensthandy und nicht deine privaten Sachen. Achte auf gute Luft, genug Licht und Bewegungsmöglichkeiten. Wenn du über Hangouts erreichbar bist, sollte jetzt auch nicht unbedingt der Stapel Schmutzwäsche direkt im Hintergrund sichtbar sein. Kleiner Tipp: wenn es dir schwer fällt ohne zweiten Bildschirm auszukommen, dann schaffe dir einen z.B. durch ein HDMI-Kabel und deinen TV-Bildschirm.

Notfall Home Office

Regel #6 : Zieh dich an!

Jaaaa ich weiß es ist verführerisch im Schlafanzug oder der Jogginghose zu bleiben. Aber: so wirst du weniger produktiv sein, schneller in der Arbeit versumpfen und bei einem länger andauernden Home Office wirkt sich das auch negativ auf die Psyche aus. Sei professionell und bereite dich aufs Home Office wie auf das Büro vor: Zähne putzen, duschen, anziehen,… Anzug und Krawatte kannst du weglassen, aber zieh dir zumindest eine ordentliche Hose an.

Hast du weitere Goldene Regeln des Home Office? Dann lasse mich an deinem Wissen teilhaben. Gemeinsam schaffen wir es auch durch die Home Office – Phase!

Was sind die Stufen zum Burnout?

Die 12 Stufen der Burnout-Spirale

Herbert Freudenberger und Gail North haben ein 12 – Schritte Modell erstellt, wie sich ein Burnout entwickelt. Ich habe dieses Modell adaptiert und für dich versucht anschaulich zu erklären. Wichtig ist, dass die Stufen zum Burnout nicht immer zwangsläufig in dieser Reihenfolge stattfinden, sich teils überlappen und es manchmal nur ein falsches Wort, ein falscher Blick oder ein Termin bis zum Erreichen der nächsten Stufe Richtung komplettem Burnout ist.

Stufen Burnout

Stufe 1: Der Zwang sich zu beweisen

Das kann ein neuer oder erster Job sein. Du willst alles gut machen und dich möglichst schnell einarbeiten. Im Gegenzug erhälst du Lob und Anerkennung. Du willst dich beweisen und dir dein Geld verdienen. Du gehst auf keinen Fall früher nach Hause – auch wenn man es dir anbietet. Du willst keinen schlechten Eindruck hinterlassen, möglichst keine Fehler machen und passt dich deinen neuen Kollegen an.

Es ist ganz natürlich im Job 100 % geben zu wollen, aber du solltest dir darüber bewusst sein, dass das schnell als Standard und normal angesehen wird. Daher gehe die Dinge langsam an, nimm dir Zeit um in die Arbeitsabläufe rein zu finden und stürze dich nicht mit vollem Elan in die Arbeit.

Stufe 2: Verstärkter Einsatz

Wenn man erst einmal die Arbeitsabläufe verstanden hat, kommt man auch schneller voran. Du willst jetzt noch besser werden, keine Fehler mehr machen, schneller arbeiten,… um zu beweisen, dass du es wert bist. Du willst weiterhin Lob und Anerkennung und vielleicht ja auch die Probezeit verkürzen oder schnell befördert werden. Die Arbeit ist dir wichtig und du möchtest möglichst keine Aufgaben liegen bleiben lassen, sonst hast du ein schlechtes Gewissen. Notfalls isst du am Arbeitsplatz, verkürzt die Pausen oder bleibst einfach mal länger/kommst früher, um alle Aufgaben ganz rasch zu bearbeiten.

Dein Chef freut sich darüber, dass du so schnell rein gefunden hast – oder erwartet sogar, dass du nach einer gewissen Zeit deine Aufgaben schon so gut kennst. Du bekommst mehr Verantwortung und zusätzlich Aufgaben.

In dieser Phase solltest du dir bewusst machen, dass es Aufgaben und Arbeiten gibt, die einfach niemals fertig werden! Gerade im Software-Bereich oder in der Beratung: das Produkt wird sich ständig weiterentwickeln, es wird immer neue Kunden und Aufgaben geben. Mache dir bewusst, dass es in Ordnung ist nicht alle Mails an diesem Tag direkt beantwortet zu haben oder dass die neue Funktion noch ausbaufähig ist, du aber vielleicht erst noch Erfahrungswerte/Feedback sammeln musst. Lass dich nicht von falschem Perfektionismus antreiben.

Stufe 3: Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse

Du bekommst positive Reaktionen für deinen Einsatz. Du bist vielleicht sogar besser, schneller und erfolgreicher im Vergleich zu direkten Kollegen. Es läuft super und du fühlst dich auch gut! Du belächelst den Kollegen A, weil er so langsam tippt. Oh mist, du hast den Anhang in der Mail vergessen – wie peinlich. Schnell noch hinterherschicken! Und jetzt sind es nur noch 5 Minuten zum Meeting. Hoffentlich merkt keiner, dass du improvisierst, weil du deine Prioritäten falsch geordnet hast.

Junge Bedürfnisse Burnout

In dieser Stufe passieren dir selbst auch bereits erste Fehler. Du vergisst einen Termin, einen Call, ein Meeting vorzubereiten, etwas rechtzeitig zu bestellen,… Und das obwohl du natürlich versuchst an alles zu denken und nichts zu vergessen oder zu übersehen. Du fühlst dich ertappt und schlecht dabei oder? Du gibst doch dein Bestes, da passieren doch keine Fehler. Du garantierst dir und anderen, dass es nicht wieder vorkommen wird. Vielleicht wurde der Kollege oder Chef auch wütend darüber und du hast Angst wieder etwas falsch zu machen. Du hast jetzt ja noch mehr Aufgaben bekommen und das ist eine Chance für dich.

Nach der Arbeit bist du müde und willst am Liebsten auf die Couch. Aber du hast ja auch noch Freunde und deine Familie, mit denen du Zeit verbringen möchtest. Und Sport zum Ausgleich! Was ist mit der Work-Life-Balance? Die ist doch wichtig? Und du bist doch voller Motivation – das bekommst du natürlich alles unter einen Hut! Du bist tough und stark und regelst das schon!

In Stufe 3 solltest du darauf achten, dass es ok ist auch mal etwas zu vergessen oder falsch zu machen – du bist keine Maschine! Außerdem versuche dich zum Ausgleich neben der Arbeit auch noch sozial zu übernehmen. Es ist ok auch mal „Nein“ zu sagen oder eine Verabredung zu verschieben. Wichtig ist aber die ehrliche Kommunikation! Deine Freunde und Familie werden es verstehen, wenn du auch mal einen anstrengenden Tag hattest. Erfinde keine Ausrede, dadurch hast du nur ein schlechtes Gewissen und fühlst dich schlecht. Achte auf dich selber, schaffe dir Freiraum und suche dir deine Energiespender, bei denen du auftanken kannst. Sei es beim Sport, Essen mit Freunden, einem Schaumbad,… Du darfst dich und deine Bedürfnisse nicht vernachlässigen, denn an dieser Stelle ist es nur ein Schritt bis Burnout Stufe 4.

Stufe 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

Um alles unter einen Hut zu bekommen, schläfst du weniger. Auch wachst du nachts öfter auf, träumst vielleicht sogar schon von der Arbeit und schreckst hoch, weil dir einfällt, dass du das mit dem Kunden unbedingt noch abklären musst! Das machst du morgen früh gleich als Erstes! Du fühlst dich etwas ausgelaugt und diese Kopfschmerzen, die du in letzter Zeit öfter hast. Eine Erkältung ist auch noch im Anmarsch…

Und deine Freunde und Familie sind genervt, weil du so viel von der Arbeit redest und ihnen nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenkst. Aber deine Arbeit ist ja schließlich wichtig! Du verbringst dort die meiste Zeit deines Tages, deine Existenz hängt davon ab und du verdienst damit dein Geld. Die verstehen das einfach nicht…. Verdammt, jetzt kommst du auch noch zu spät und du hast vergessen A Bescheid zu geben, dass du noch Feedback zur nächsten Präsentation bis zum Mittag brauchst. Ach da sagt schon keiner was, du machst ja schließlich einen super Job und das ist eben eine Ausnahme. Außerdem isst du einfach am Platz und überarbeitest da die Präsentation.

Trotzdem fühlst du dich schlecht. Das passiert nicht nochmal! Du darfst jetzt auch nicht krank werden – wer kümmert sich denn sonst um die Aufgaben? Und was denken die Kollegen dann von dir? Und dein Chef braucht doch die Auswertung bis morgen… Nein du zeigst keine Schwäche und das geht schon vorbei. Das ist ja nur eine Phase. Und die Aufgabe abgeben? Auf keinen Fall!

Du verdrängst hier nicht nur deine Bedürfnisse, sondern es zeigen sich in dieser Stufe auch schon erste körperliche Symptome. Gute Ratschläge vom besorgten Umfeld werden abgetan. Die Arbeit gewinnt immer mehr an Stellenwert. Du hast Angst zu Versagen und den Anforderungen nicht gerecht zu werden – vielleicht auch vor einer Abmahnung oder sogar Kündigung.

Der Druck erhöht sich. Gönne dir deine Pausen! Zeige klare Grenzen auf und sage auch „Nein“ – natürlich höflich und respektvoll, aber trotzdem bestimmt. Wenn du krank bist, bist du krank! Dein Körper sendet hier schon erste Warnsignale. Nimm sie ernst und ruhe dich aus. Und ja: Handy und E-Mails dürfen an der Stelle ignoriert werden! Sprich deine Sorgen offen an und suche dir Rat bei der Person deines Vertrauens. Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, sich um das Wohl der Mitarbeiter zu kümmern. Möglicherweise hilft auch hier ein offenes und klärendes Gespräch.

Stufe 5: Umdeutung von Werten

Zitat Maschine Burnout

Du beginnst deine Überzeugungen zu ändern. Früher standen Partner, Freund und Familie an erster Stelle – jetzt ist es dein Job. Und genau jetzt bekommst du mehr Verantwortung. Wow super, du bekommst eine Gehaltserhöhung! Und bald wirst du befördert. Aber erst, wenn dieses ganz wichtige neue Projekt abgeschlossen ist. Endlich werden dein Ehrgeiz und deine Leistungsbereitschaft belohnt. Hm, aber du hast erstmal noch weniger Freizeit, weil dein Aufgabenberg immer weiter anwächst. Ach das ist ja nur bis Oktober so…

Aber es zahlt sich ja aus! Und bald kannst du dann in den Urlaub, dir diese tolle Jacke kaufen,… Und deine Mutter bekommt zum Geburtstag ein ganz tolles Geschenk – dann kann sie sich ja nicht mehr beklagen, weil du dich nicht genug meldest.

Während dem Abendessen mit Freunden checkst du nur noch kurz deine Mails – ihr wartet ja eh noch auf den Kellner. Wieso sind sie denn jetzt sauer? Sie haben doch selber Jobs bzw. wissen ja gar nicht wie das ist, so viel Verantwortung oder Angst um seine Postion zu haben. Wenn dieser Idiot nur endlich die neuen Zahlen schicken kann… Und der Chef braucht vielleicht nochmal Hilfe, der sitzt ja auch noch im Büro.

Du empfindest die Arbeit mittlerweile selbst als Belastung und bist gestresster. Deine Wahrnehmung und deine Werte verändern sich. Du beginnst unabsichtlich Leute, die dir wichtig sind zu verletzten. Du härtest ab, wirst stumpf und auch berechnend. Vielleicht suchst du nach weiteren Vorteilen für dich, wie du einen Konkurrenten aus dem Weg räumen kannst oder dich noch mehr abgrenzt. Es entstehen immer häufiger Differenzen und Konflikte – privat und auch beruflich. Besinne dich auf deine Werte! Ist es das wert? Was passiert im Schlimmsten Fall, wenn du nach Feierabend nicht mehr erreichbar bist? Wird das wirklich verlangt? Und kannst du das so akzeptieren?

An dieser Stelle solltest du wirklich hinterfragen, was dir wirklich wichtig ist und ob du bereits bist Opfer zu bringen und den Preis des „beruflichen Erfolgs“ zu zahlen. Möglicherweise gibt es Alternativen? Es ist jetzt extrem wichtig mit deinen Vertrauten und auch mit deinem Vorgesetzten zu reden, um nicht weiter in der Burnout-Spirale aufzusteigen! Auch wenn es nicht leicht ist: Kommuniziere deine Gefühle und Bedürfnisse – dein Gegenüber ist kein Mentalist und nimmt die Situation vermutlich anders wahr als du selbst!

Stufe 6: Verleugnung der Probleme

Du ignorierst die Warnungen. Du bleibst nicht krank zu Hause, sondern du kommst natürlich auf die Arbeit. Du kommst langsamer voran, kannst dich weniger konzentrieren und baust weitere Fehler mit ein. Das kann doch nicht sein, du weißt doch wie es richtig geht! Verdammt wie ist das denn jetzt wieder passiert. Du könntest schwören, dass du… Oh nein, der Chef schaut schon so böse!

Und natürlich grinst A jetzt auch noch so schadenfroh! Der soll gar nicht so tun, als ob er es besser könnte! Wieso hat er eigentlich diesen Bericht noch nicht fertig? Musst du denn alles alleine machen? Sind denn hier nur unfähigen Leute? Und deine Freunde zeigen auch kein Verständnis dafür, dass du es heute nicht rechtzeitig zum Kino schaffst. Du willst nur heim, dir eine Pizza in den Ofen schieben und dich auf der Couch verkrümeln. Da kannst du dann auch den Bericht in Ruhe fertigstellen – bei dem Lärm hier kann sich doch kein Mensch konzentrieren… Und die Jeans drückt auch noch. Wann warst du eigentlich das letzte Mal beim Sport?

Du wirst zunehmend zynisch, verbittert und gereizt. Vielleicht sogar aggressiv und laut. Du bist ungeduldig, mit dir selbst und anderen. Die Fehler häufen sich und du kannst weniger leisten. Du fühlst dich von deinen Freunden/der Familie unverstanden und im Stich gelassen. Hobbys und Sport werden komplett gestrichen, da du einfach keine Zeit mehr dafür hast. Dir fehlt die Energie, du ernährst dich von Fastfood. Und deine Wohnung versinkt auch nach und nach im Dreck. Du versuchst hier deine letzten Reserven zu nutzen. Aber ist es das wert? Zu welchem Preis?

An dieser Stelle ist es schon sehr schwer von alleine wieder aus der Burnout-Spirale auszubrechen. Sprich mit jemandem darüber und springe aus dem Rad, solange du noch kannst!

Stufe 7: Rückzug

Um dich besser zu konzentrieren, ziehst du dich zurück. Die Kollegen sind dir mittags in der Küche zu laut, deswegen isst du später oder am Platz. Und du hast keine Lust auf diese Sticheleien und blöden Fragen, was du am Wochenende machst. Außerdem hat A gestern bemerkt, dass deine Präsentationen immer gleich aussehen. Na dem wirst du es jetzt zeigen – von wegen immer gleich! Und dein Chef? Im letzten Gespräch hat er angemerkt, dass du dir die Vorschläge zum neuen Projekt nochmal ansehen solle und er bessere Ideen erwartet. Was denkt der denn, wann du die ausarbeiten sollst?

Und heute Abend ist auch noch der Geburtstag von einer Freundin. Eigentlich hast du gar keine Lust und Kraft hinzugehen. Du willst ihr ja die Party nicht versauen… Ach zwei Bier und dann geht das schon! Dann wird das lustig werden – sie freut sich ja auch und du bist mal wieder raus gekommen. Dafür darfst du den Rest vom Wochenende zu Hause bleiben und dir diese neue Serie auf Netflix anschauen. Du könntest auch Essen bestellen… Oh das hört sich doch toll an! Jetzt nur noch diese Mail zu Ende schreiben.

Du schaffst es nur noch deine Hauptaufgaben zu tun – die Aufgaben, die dir Spaß machen, bleiben häufiger liegen. Dir fehlt langsam nicht nur die Energie, sondern auch die Freude für die Arbeit. Du bist nur noch am rotieren. Und müde. Kritik prallt an dir ab, die Leute sind ja eh alle nur neidisch und wollen dir schaden. Du suchst Ersatzbefriedigungen für die Leere, die langsam entsteht. Netflix, Essen, Alkohol, vielleicht auch Drogen, um dein Level zu halten…

Und du versuchst dir bloß nichts nach außen hin anmerken zu lassen. Du willst keine Schwäche zeigen – etwas das leider nur von dir so interpretiert wird. Aus Selbstschutz distanzierst du dich und musst dich zu den Dingen zwingen, die dir früher Freude bereitet haben. Du bist auf dem Besten Weg dich zu zerstören! Hol dir bitte unbedingt Unterstützung und treibe es nicht bis zur Spitze! Du riskierst beim Burnout nicht nur deine Gesundheit, sondern auch Freunde, Familie und Partner zu verlieren. Vielleicht sogar deinen Job – also wach auf!

Stufe 8: Verhaltensänderung

Was hat sie da gerade gesagt? War das wichtig? Hm egal, sonst wird sie es schon nochmal sagen… Oh Gott, dein Hals kratzt – wirst du jetzt schon wieder krank? Du solltest direkt noch eine Tablette einwerfen! Bloß jetzt nicht krank werden. A schaut schon wieder so rüber, der denkt bestimmt, dass du gar nicht richtig zuhörst. Gestern hat er gefragt, ob er vielleicht präsentieren solle. Als ob du ihm das abgibst, nachdem du schon so viel Zeit investiert hast! Ups, ist das dein Einsatz? Einfach mal Nicken. Mist, jetzt hast du dich dazu bereit erklärt, den Neuen durchs Büro zu führen – du hast doch eh so wenig Zeit.

Zitat Ruine Burnout

Du wirkst apathisch, die Leute machen sich Sorgen. Du bist paranoid und hast Angst um deine Position. Du bist ständig im Verteidigungsmodus, weil du auch gut gemeinte Ratschläge oder Hilfe als Vorwurf und Bedrohung wahrnimmst. Alles wird nach und nach zur Belastung. Du kannst schon gar nicht mehr richtig zuhören und willst nur noch deine Ruhe haben. In dieser Stufe hast du dein Verhalten, deine Persönlichkeit schon bereits grundlegend geändert.

Früher hast du gerne neuen Kollegen geholfen – jetzt ist es eine Belastung. Wo dir sonst die Geschichten deiner Familie und Freunden wichtig waren, kannst du heute kaum noch zuhören. Du verschwindest langsam immer mehr… Bist du wirklich der Mensch, der genau das gesagt hat? Hast du dich heute wirklich so verhalten? Willst du das wirklich? Wie hättest du vor zwei Jahren darauf reagiert? Nutze die Fragen der Selbstreflektion und hinterfrage, ob du wirklich noch „du“ bist.

Stufe 9: Depersonalisation

Du bist gar nicht mehr wirklich da. Du rennst jeden Tag in einem Hamsterrad, das du dir selbst gebaut hast. Aufstehen, arbeiten, heim, essen, schlafen, aufstehen,… Einkaufen gehen? Ist dir gerade zu viel – wozu gibt es Lieferservices…

Jetzt merkst du selber, dass du nicht mehr du selbst bist. Wie eine Puppe an den Schnüren, fühlst du dich gefangen und fremdgesteuert. Du vernachlässigst dich und dein Umfeld immer mehr. Du bist gerade dabei dich selbst komplett zu verlieren. Deswegen stelle dir noch einmal die Frage: Wer bist du und wer willst du sein? Ist es das wirklich wert? Oder solltest du endlich einen Schlussstrich ziehen und dir eine Pause gönnen? Ich sage dir: Hol den Stift raus und zieh die Grenze! Es fehlt nicht mehr viel zum Burnout.

Stufe 10: Innere Leere

Der Wecker klingelt. Wozu sollst du denn aufstehen? Bringt doch eh nicht viel. Und du fühlst dich so kraftlos. Vielleicht solltest du besser zu Hause bleiben. Aber dann bleibt alles liegen und du musst dich morgen darum kümmern. Na gut, erstmal ins Bad. Verdammter Durchfall…

Jetzt musst du dich langsam sogar zwingen zur Arbeit zu gehen. Du fühlst dich nutzlos, kraftlos, ausgezehrt, hast vielleicht sogar Angst davor wieder hin zu gehen. Du hast auch körperliche Probleme, z.B. mit dem Magen. Langsam bist du nur noch eine leere Hülle. Gehe nicht zur Arbeit, sondern zu einem Arzt, dem du vertraust und lass dir helfen! Du hast zu viele Grenzen überschritten und ein paar Tage Urlaub werden dir an dieser Stelle nicht mehr helfen. Du bist mittlerweile ausgebrannt – hallo Burnout!

Stufe 11: Depression

Wozu tust du das hier überhaupt noch? Du machst nur noch Fehler. Du bist schwach und nutzlos. Du denkst du willst nur noch ins Bett – und morgen nicht mehr aufwachen, damit du niemandem zur Last fällst.

Verzweiflung, Selbsthass, Wertlosigkeit, Erschöpfung,… du hast nun alle Symptome einer Depression. Du hast keine Kraft mehr, keine Energie. Du brauchst nun wirklich Hilfe, alleine schaffst du es nicht mehr raus. Du hast dir selbst einen Käfig gebaut und der Raum wird kleiner. Es gibt einige Hilfsstellen, an die du dich wenden kannst. Beim starken Burnout ist eine Depression immer mit dabei. Lass sie nicht weiter wachsen und dein Leben zerstören!

Stufe 12: Völlige Erschöpfung

Du hast dein Oberteil falsch rum an. A weißt dich darauf hin – und du brichst in Tränen aus und dann zusammen…

Die Spitze des Burnout ist nun erreicht: der komplette emotionale und psychische Zusammenbruch. Oft reicht nur eine Kleinigkeit aus und das sehr zerbrechliche Kartenhaus, stürzt in sich zusammen.

Ich hoffe du lernst es nicht auf die harte Tour und wirst diese Stufe niemals erreichen. Leider lassen es viel zu viele Menschen darauf ankommen. An dieser Stelle gibt es nur noch wenige Auswege – für manche endet es sogar im Suizid. Bitte nimm die Hilfe an, die du bekommst! Vertraue mir – es wird wieder besser! Nein, es wird nicht einfach, aber es gibt so viele andere Lösungen. Du musst nur den nächsten Schritt gehen und ehrlich zu dir selbst sein – ehrlich zu deinem Umfeld und ich verspreche dir: du wirst überrascht werden!

Du bist nicht alleine und wenn du dich niemandem aus deinem Umfeld anvertrauen kannst oder willst: ich höre dir gerne zu! Ich kann dich verstehen und ich kann dir weiterhelfen!

Welche Stufen kannst du hier bereits erkennen:
https://perfekt-du.de/erste-schritte-mein-burnout/

(Quelle: Gabriel T: Burnout – Leitfaden zur betrieblichen Gesundheitsföderung in Großbetrieben. Mit Fokus auf die Rolle von Führung und Schichtarbeit. Wien: Fonds Gesundes Österreich, 2010.).

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